Der Unterschied zwischen „Verdienen“ und „Bekommen“

Guten Morgen liebe Leser(-innen),

normalerweise gehe ich immer von dem Grundsatz „What you give, is what you get!“ aus. Eigentlich ist alles Karma und man bekommt eben genau das zurück, was man selbst bereit ist zu geben. Sollte man meinen. Ist aber nicht so. Jedenfalls nicht immer und wenn dann trifft es die Falschen.

Die Erfahrung habe ich jedenfalls erst gestern wieder gemacht, was mich zu dieser heutigen Kolumne angeregt hat. Es stellt sich mir also die Frage warum das so ist. Ist es nicht unfair, dass eben genau die Leute, die sich immer bemühen und sich für andere immer einsetzen, genau dann einen Tritt in den Hintern bekommen, wenn sie es am wenigsten verdient haben? Anders herum bekommen genau die, die noch nie für irgendwas den Finger krumm gemacht haben nicht nur den Eisbecher, sondern auch noch das Sahnehäubchen und die Kirsche gratis oben drauf.

In den meisten Fällen ist es sicher immer noch eine glückliche oder unglückliche Fügung und der kleine Verräter namens Zufall, der gewisse Dinge in die Wege leitet und für den ein oder anderen Lauf des Lebens verantwortlich ist. Aber ganz oft liegt es auch an unserer Gesellschaft, die solche Konstellationen provozieren.

Im Job ist es eben der Chef, der alle Angestellten über einen Kamm schert und somit entweder alle das gleiche bekommen oder eben gar nichts. Ganz egal ob es dabei um Aufmerksamkeit oder um den monatlichen Lohn geht. Das steckt sogar schon im Wort: Lohn – Belohnung für das was man tut. Dem Chef ist es aber prinzipiell erst mal egal, wer was für ihn oder die Firma getan hat. Am Ende des Tages sind unterm Strich die Zahlen auf seinem Konto wichtig. Und weil ihm eben egal ist, wer für seinen Erfolg verantwortlich ist, ist es ihm auch egal wie das einzelne Individuum für seine Arbeit belohnt wird. Somit bekommen alle das gleiche. Nun könnte man ein nettes Zitat aus dem Film „Der Teufel trägt Prada“ anwenden, in dem es heisst:

Du strengst dich nicht an, du jammerst. … und jetzt möchtest du wissen warum sie dir nicht über den Kopf streichelt und dir für deine Hausaufgaben ein Sternchen in dein Heft malt? Wach auf mein Mädchen.

Ganz einfach weil es eben nicht nur das ist. Weil Leute mit Helfersyndrom schon immer mehr gemacht haben, weil sie schon immer die Hausaufgaben der anderen mit gemacht haben. Auch wenn man nie darum gebeten wurden gibt es eben immer diejenigen, die immer mehr tun als nötig ist. Die sich immer ein kleines bißchen mehr anstrengen als andere. Die immer auf ein bißchen mehr verzichten. Warum sollen die nicht auch einmal für ihren Einsatz belohnt werden?

Ähnlich ist es in zwischenmenschlichen Beziehungen. Oft sind genau diejenigen mit dem beschriebenen Helfersyndrom diejenigen, die als Kummerkasten oder seelischer Mülleimer und Therapeut benutzt werden. Wenn dann wieder alles gut ist und der Part auf der anderen Seite wieder glücklich und zufrieden ist, wird man lange nicht mehr so beachtet wie vorher.

Was also tun um den Kreis zu durchbrechen?

Niemand muss aufhören hilfsbereit und übersozial anderen lieben Menschen gegenüber zu sein. Ab und zu hilft es schon wenn man einfach den Mund auf macht und sich eben einfordert was einem zusteht.

„Ich war für dich da als es dir schlecht ging, jetzt sei bitte auch für mich da und höre mir zu!“

„Ich erkläre dir noch einmal wie das funktioniert, bitte schreibe es dir auf und mach es beim nächsten Mal selbst.“

„Letztes Mal habe ich für dich deinen Dienst übernommen, jetzt brauch ich deine Hilfe.“

„Im letzten Jahr habe ich XY Aufgaben mehr in meinem Arbeitsbereich erledigt. Für den Mehraufwand möchte ich einen höheren Lohn.“

Was ich damit sagen will ist, macht die Leute auf das aufmerksam was ihr geleistet habt. Niemand soll eure Leistung als selbstverständlich ansehen. Traut euch zu sagen was ihr möchtet, auch wenn es vielleicht ab und zu Überwindung kostet und nicht gerade einfach ist. Aber wenn man einmal diesen Schritt gewagt hat, wird man insgesamt einfach selbstbewusster und muss sich nicht mehr mit dem zufrieden geben, womit andere einen abspeisen. Kein Chef der Welt kommt zu dir, drückt dir einen Umschlag mit Geld in die Hand mit den Worten: „Bitte für Sie, weil sie so fleißig waren.“ Ich befürchte diese Zeiten sind lange vorbei, auch wenn das vielleicht nicht jeder Chef so handhabt.

Das Märchen von Frau Hole mit den zwei Stiefschwestern Gold-Marie und Pech-Marie ist und bleibt eben nur ein Märchen.

Eure Chrissi

Die böse 30 kommt bestimmt

Die böse 30 kommt bestimmt

 

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